Einleitung | Fische | Raufereien | Bezüge zur Historie
Verleihnix, der Fischhändler des gallischen Dorfes, behauptet unermüdlich, seine Ware sei frisch und von bester Qualität. Doch die Wahrheit ist – und darin liegt der ganze Witz –, dass er den Fisch gar nicht selbst fängt. Statt mit Netzen und Booten auf dem Atlantik zu fischen, lässt er sich seine Waren aus Lutetia, also dem heutigen Paris, anliefern. In mehreren Bänden wird deutlich angedeutet, dass Verleihnix, obwohl er ein Boot besitzt, wie man in "Asterix in Spanien" ab Seite 24 sehen kann, überhaupt nicht aufs Meer hinausfährt, sondern vielmehr ein Händler ist, der die Fische aus dem Landesinneren bezieht und im Dorf verkauft.Diese groteske Situation sorgt dafür, dass der Fisch allein durch den langen Transportweg niemals wirklich frisch sein kann. Denn bis er die Strecke unter anderem per Ochsenkarren von Lutetia bis ins kleine Dorf an der bretonischen Küste zurückgelegt hat, ist wertvolle Zeit vergangen – zu viel Zeit, um einen Fisch noch als "frisch" zu verkaufen.
In der aus dem Jahr 2000 stammenden Ausgabe "Asterix - das Kultbuch" wurde der Vorsitzende des französischen Fischereiverbandes, Pierre Chiranet, von den Autoren gefragt, welche von Albert Uderzo gezeichneten Fische auf dem Tresen von Verleihnix angeboten werden. Er antwortete "Im wesentlichen Karpfen, Schleien und Seezungen, ferne einige unbekannte Arten.". Da einige dieser Fische Flussfische sind, ist das der Beweis, dass sie aus Lutetia stammen müssen.
Fisch als alltägliche Nahrung
Fische gehören seit der Antike zu den Grundnahrungsmitteln der Menschen in Küstenregionen. Auch im gallischen Dorf von Asterix spielt er eine wichtige Rolle – schließlich liegt das Dorf am Meer, und so ist es nur natürlich, dass Fischhändler wie Verleihnix (Original: Ordralfabétix) zu den zentralen Figuren des Dorfalltags gehören. Doch bei Asterix ist der Fisch nicht einfach nur ein Lebensmittel. Er ist ein Markenzeichen, ein Auslöser von Konflikten und eine humorvolle Karikatur auf Nachbarschaftsstreitigkeiten.
Der berühmte "frische" Fisch
Die wohl bekannteste Eigenschaft des Fisches bei Asterix ist seine zweifelhafte Frische. Verleihnix verkauft angeblich frischen Fisch – doch sein Ruf ist eher das Gegenteil: Die Dorfbewohner misstrauen seinen Waren regelmäßig. Gerade diese Unsicherheit führt immer wieder zu den legendären Dorfschlägereien. Die Goscinny-Uderzo-Idee, Fisch als Zankapfel darzustellen, schlägt also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: einerseits spiegelt sie den echten Alltag in Dörfern, wo der Händler immer auf seinen guten Ruf achten muss; andererseits liefert sie eine unerschöpfliche Quelle für Running Gags.
Fisch als Waffe
Bemerkenswert ist, dass Fische bei Asterix nicht nur verzehrt, sondern auch geworfen werden. Gerade in Raufereien dienen sie häufig als Schlag- oder Wurfwaffen. Dass ein Fisch, eigentlich ein Zeichen für Nahrung, plötzlich zu einem Werkzeug der Gewalt wird, unterstreicht den absurden Humor der Serie. Im Vergleich zu Schwertern oder Speeren wirken die Fische harmlos – doch im überdrehten Kosmos der Gallier können sie genauso schmerzhaft und effektiv sein wie jeder Knüppel.Garum - die römische Würzsauce
Sehr präsent ist im Abenteuer "Asterix in Italien" der Sponsor einer Würzsoße aus fermentierten Fischinnereien, dem so genannten "Garum Lupus" (Latein: garum = sauce, lupus = der Wolf). Der würzige Geschmack der Soße scheint dort sehr unterschiedlich wahrgenommen zu werden. Während ein Journalist nach dem Verzehr zum Sanitätswagen getragen werden muss und Obelix auf Seite 30 auch so seine Probleme hat, scheinen die britischen Rennfahrer und Verleihnix, der die Soße am Ende beim Festbankett probiert, Gefallen daran zu finden.
Tatsächlich war Garum (auch: Liquamen) in der antiken römischen Küche das Standardgewürz. In der römischen Antike war es so etwas wie das flüssige Gold der Küche – eine Würzsauce, die in wirklich keinem Haushalt fehlen durfte. Diese Würzsoße wurde für salzige und süße Speisen verwendet, etwa in der Häufigkeit, wie heutzutage Fischsoße und Sojasauce in der asiatischen Küche verwendet wird. Die Herkunft des Gewürzes wird entweder in Griechenland oder Karthago vermutet.
Zur Herstellung von Garum schichtete man kleine Fische, deren Innereien oder auch Meeresfrüchte zusammen mit verschiedenen Gewürzen in ein Fass, bestreute alles großzügig mit Salz und ließ es anschließend mehrere Monate in der Sonne gären. Da dieser Prozess einen intensiven, oft unangenehmen Geruch erzeugte, verlagerte man die Produktion schon frühzeitig in große Anlagen an den Küsten – besonders in Regionen wie Spanien, Südgallien oder am Schwarzen Meer.
Garum verlieh den Speisen diese besondere "Umami", eine japanische Bezeichnung für die fünfte Geschmacksrichtung, die so viel wie "köstlich" oder "herzhaft" bedeutet. Dieser Geschmack wird hauptsächlich durch Aminosäuren wie Glutamat ausgelöst, die natürlicherweise in vielen proteinreichen Lebensmitteln vorkommen. Beispiele für umami-haltige Lebensmittel sind gereifte Tomaten, Parmesan, Pilze, Sojasauce, Fleisch und Fisch.